LICHT UND SCHATTEN BEIM 43. ALTSTADTFEST IN HATTINGEN

Freitag Abend am Bunker "Mad Zeppelin" (Foto: RuhrkanalNEWS Holger Grosz)Freitag Abend am Bunker "Mad Zeppelin" (Foto: RuhrkanalNEWS Holger Grosz)

Altstadtfest 2017 HGZ_1634Hattingen – Das war es nun, das 43. Hattinger Altstadtfest. Die Bedingungen waren perfekt, das erste Sommerwochenende. Keine Fußball WM oder EM. Gut, das Pokalfinale mag einige potenzielle Besucher vom Besuch abgehalten haben. Aber dennoch: Die Altstadt blieb zwischen den Haupt-Acts unerwartet leer. Die, die da waren konnten sich problemlos zwischen den Bühnen bewegen. Auch der Bierlieferant kam meistens problemlos durch die Gassen. Der Besucherzuspruch sorgte bei einigen Händlern für Unmut, sie beklagten sich über geringen Umsatz und die schlechte Terminwahl zum Monatsende. „Man rackert sich ab, kämpft das Jahr über für Kundschaft und beim Altstadtfest wird man das Gefühl nicht los, das auswärtige Händler irgendwie bevorzugt werden“, so Frank Westemeier von der Fleischerei Krüger. Auch war zu hören, dass man selbst auf dem Kirchplatz etwas mehr Food-Verkauf gewünscht hätte. Unter dem Strich profitierten vom guten, heißen Wetter alle, die kühle Getränke verkauften und im Nachgang gingen dann auch Speisen über den Verkaufstresen. Alle anderen Waren hatten dagegen oft das nachsehen.

RuhrkanalNEWS im Gespräch mit Bürgermeisterin a.D. Dagmar Goch und Sabine Kelm Schmidt (Foto: Holger Grosz)

RuhrkanalNEWS im Gespräch mit Bürgermeisterin a.D. Dagmar Goch und Sabine Kelm Schmidt (Foto: Holger Grosz)

Doch zum eigentlichen Anlass des Festes, die Musik: Für die Bühnen waren, wie in den vergangenen Jahren, in der Hauptsache Coverbands gebucht worden. Das macht das Hattinger Altstadtfest inzwischen so beliebig, wie der Versuch Pommes Rot-Weiß als Hattinger Spezialität etablieren zu wollen. Ein Kritikpunkt der schon länger in der Stadt geäußert wird und über den auch RuhrkanalNEWS bereits berichtete. An den grundsätzlichen Fehlern hat sich bis heute nichts geändert. Aber vielleicht ist es auch von einem Stadtmarketingverein nicht anders zu erwarten. Der Wandel in der Ausrichtung des Festes begann schließlich, ältere Hattinger werden sich erinnern, als das Fest nicht mehr vom Kulturamt organisiert wurde. „In seinem Tätigkeitsbereich, dem Stadtmarketing, macht Georg Hartmann alles richtig. Er gestaltet ein Fest wie man es unter den heutigen Voraussetzungen nicht anders realisieren kann“ erklärt die  ehemalige Bürgermeisterin Dagmar Goch gegenüber RuhrkanalNEWS und fügt weiter an: „Wir haben damals den Fehler gemacht, das Kronjuwel Altstadtfest aus der Hand zu geben“. Wenn man darüber nun nachdenkt und akzeptiert dass das Kulturfest nun ein Stadtfest ist, dann hat in der Tat das Stadtmarketing alles richtig gemacht.

Auch Perlen unter den Coverbands

Den Auftakt auf der Kirchplatzbühne machte „Sebel“. Der Ruhrgebietsrocker konnte die Menge begeistern. Mit eigenen Stücken war er einer der wenigen Künstler der ohne Coverstücke Qualität bewies. Ein rockiger, schöner und motivierender Beginn für das Altstadtfest. Und der Platz war hier, erwartbar, deutlich voller, als noch kurz zuvor bei der offiziellen Eröffnung durch den Bürgermeister.

Insgesamt zeigte sich, wie in den vergangenen Jahren der Charme eines Altstadtfestes immer dann, wenn eigene Darbietungen auf die Bühne kamen. Sonntags, wenn die Tanzgruppen von den kleinsten Anfängern bis zu den Meisterschaftsteams zeigten was sie können oder wenn Kinder in eine Ritterwelt eintauchten. Andererseits hatten es die Hattinger Bands am Bunker oft schwer, eigenen Stücken zum Trotz. Zeitweise knapp 50 Besucher vor der Bühne, dazu Hitze, das macht es nicht leicht. Wenn dann trotzdem so etwas wie Stimmung aufkommt, ist das eine Leistung der Bands, die man nicht hoch genug würdigen kann.

Aber auch unter den Coverbands gab es in diesem Jahr einige, die ihr Handwerk verstehen. Das war ja in der Vergangenheit auch nicht immer so. „Mad Zeppelin“ am Bunker und „The Queen Kings“ auf der Kirchplatzbühne lieferten das, was von einer Tribute-Band erwartet wird und rockten das Publikum. An dieser Stelle bewies der Stadtmarketingverein ein wirklich gutes Händchen bei der Bandauswahl. Hier waren zwei richtig gute Highlights verpflichtet worden, die die Qualität und einen Bekanntheitsgrad hatten, das Altstadtfest zu einem Besuchermagnet zu machen.

Allerdings muss man auch sagen, dass das Verhalten der „The Queen Kings“ hinter der Bühne völlig inakzeptabel war. Akkreditierte Pressefotografen zu beschimpfen oder gar körperlich anzugehen ist völlig daneben. Der sogenannte Stage-Manager der Queen Kings riss beispielsweise den RuhrkanalNEWS Kameramann am Gürtel rückwärts von der Bühne. Sein Arbeitsgerät schlug dabei unsanft auf der Treppe auf. Das Ergebnis: Ein defektes Profi-Objektiv und höchstwahrscheinlich eine juristische Auseinandersetzung darüber, wer den Schaden zu bezahlen hat. Doch auch andere Pressevertreter hatten mit diesem Mann ihre Last, da er sie bei ihrer Arbeit behinderte.

Gedränge vor der Bühne am Untermarkt (Foto: Holger Grosz)

Gedränge vor der Bühne am Untermarkt (Foto: Holger Grosz)

Kuult überzeugten zum zweiten mal

Richtig gut wurde es allerdings auf dem Untermarkt, als „Kuult“ die Bühne betrat. Die Band hatte bereits 2015 bewiesen, dass sie das Publikum mitreißen kann. Schon damals wurden sie von den Besuchern gefeiert. Auch von denen die sie seinerzeit zum ersten mal hörten. In diesem Jahr passierte das wieder. Der Unterschied zur Premiere: Dieses mal waren eigene Fans mit nach Hattingen gekommen. Die standen vor der Bühne und sangen textsicher mit. Warum dieser Top Act nicht wieder auf der Hauptbühne am Kirchplatz auftreten durfte, bleibt wohl das Geheimnis der Organisatoren. Verdient und angemessen wäre es gewesen.

Kulturmatinee auf dem Kirchplatz wie immer schön und bodenständig

Das Keyboard auf denen die Chöre begleitet werden, wird, wie immer, kostenlos von RuhrkanalNEWS gestellt und auf der Bühne auf- und abgebaut. Bei der Kulturmatinee war das Altstadtfest auf einmal wieder etwas für Nostalgiker. Schön für die, die auf und vor der Bühne standen und sich erfreuten, was in der Stadt an künstlerischem Nachwuchs heranwächst. Ein bunter Mix mit manchmal unerwarteten Darbietungen, kleineren Pannen, die als liebenswerte „Zugabe“ zur Kenntnis genommen wurde. Und nach einem leeren Nachmittag, klang dann der Abend mit „Jazzlight“ aus. Auch hier waren die Besucher sehr zufrieden. Gute Arrangements, noch bessere Musikauswahl und richtig gute Musiker ließen das Altstadtfest 2017 am Sonntag Abend ausklingen.

Der „no comment“ Filmbeitrag von RuhrkanalNEWS. 15 Minuten Altstadtfest in bewegten Bildern:

Fazit

Wenn man sich umhört, sorgt das Altstadtfest für gespaltene Reaktionen. Die einen freuten sich, dass sie nicht durch übervolle Gassen geschoben wurden. Andere vermissten die Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus. Die Besucher die da waren, fanden das Fest insgesamt mehrheitlich gut. Andere stimmten mit den Füßen ab und blieben zuhause oder genossen das schöne Wetter im Freiband oder an einem See. Das Pokalfinale oder ein langes Wochenende mit vielen Kurzurlaubern für die häufig leere Innenstadt verantwortlich zu machen, ist zu kurz gedacht. Es  fehlt schlicht an einer konsequenten Strategie. Entweder man freut sich darüber, dass die Hattinger beim Altstadtfest Freunde wiedersehen und sich problemlos durch die Stadt bewegen können (was völlig legitim ist) oder man will ein Fest, bei den Hattingen positiv über die Stadtgrenzen hinaus wahrgenommen wird (als klassisches Stadtmarketing). Im ersten Fall kann man auf mehr Eigengewächse setzen, weniger Coverbands verpflichten und wieder mehr „Kulturfest“ organisieren. Im zweiten Fall müssen fähige Organisatoren dafür sorgen, dass sie nicht ihr überschaubares Budget ausgeben und danach ist Schluss, sondern mit jedem eingesetzten eigenen Euro ein mehrfaches an Sponsorengeldern hereinholen. Das machen Veranstalter in anderen Städten seit Jahren erfolgreich. Dann kann man mehr Top-Acts mit eigenem Repertoire verpflichten und muss nicht den letztlich beliebigen, austauschbaren Weg mit Coverbands gehen. Auch sollte man hinterfragen ob ein „so frühes Altstadtfest“ (ASF vom 11. – 13. Mai 2018) wirklich von allen Hattingern gewünscht sei. Ein Schelm, der böses dabei denkt,  dass dem KAM (Kulinarischer Altstadtmarkt), auch bei der Terminierung, mehr Bedeutung zugemessen wird, als dem „Kronjuwel Altstadtfest“.

Miteinander reden um Lösungen für alle zu finden, ist auf jeden Fall eine sinnvolle Investition in die Zukunft des Altstadtfestes.

Fotostrecke Altstadtfest 2017 von Holger Grosz:

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